Arbeiten auf Deponien

Arbeiten auf Deponien

Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Deponien

DGUV Regel 114-004 (BGR 127) für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit auf und in Deponien, Stand: 02/2001

(BGR 128) Arbeiten in kontaminierten Bereichen

DGUV Information 201-004 (BGI 581) Merkblatt für Regeln des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit in kontaminierten Bereichen für die Fahrerkabinen. Stand Januar 2007

Sicherlich nicht alltäglich, aber ab und zu kommt es doch vor: Tiefbauarbeiten auf Abfalldeponien, seien es nun längst stillgelegte oder noch im Betrieb befindliche. Ein Arbeitsgelände, das eine besondere Herangehensweise erfordert, da es mehrere Besonderheiten zu berücksichtigen gilt. Zum einen der Boden. Im Gegensatz zu normalen Böden handelt es sich hier nicht um übliches Erdmaterial, sondern um eine Mischung verschiedenster Materialien, die keine homogene Masse bilden. Im Gegenteil, Setzungen und Kavernen gefährden Mitarbeiter und Gerät – schnell kann aufgrund des Gewichtes der Fahrzeuge die obere Tragschicht einbrechen und so zu erheblichen Unfällen führen. Hinzu kommt die gesundheitliche Gefährdung durch Art und Zusammensetzung der Materialien. Anorganische Schwermetalle oder organische Säuren, aber auch Bakterien können der Gesundheit der Mitarbeiter vor Ort zusetzen.

Saubere Luft

Kabinenfilter-Deponie
Kabinenfilter
Selbst die Luft zum Atmen kann einem auf einem Gelände wie einer Deponie buchstäblich fehlen. Oftmals besteht ein erheblicher Sauerstoffmangel und austretende Deponiegase, die nicht selten giftig (hier besonders das Nervengift Schwefelwasserstoff), sondern sogar explosiv (Methan) sein können, belasten die Atmosphäre zusätzlich. Und auch die Konzentration an Asbestfasern als Altlasten früherer Zeiten kann auf Deponien schnell höher als normal liegen. Deshalb sollte für eine ausreichende Belüftung und eine zusätzliche Gaswarneinrichtung im Arbeitsbereich Vorsorge getroffen sein. Wichtig gerade bei Tiefbauarbeiten ist der Umgang mit Sickerwasser, das sich im unteren Bereich der Deponiemasse absetzt. Als ein Kondensat aus der Gemengelage aller vorhandenen Materialien ist es geradezu als teuflischer Cocktail zu bezeichnen: angereichert mit anorganischen, organischen und biologisch gefährlichen Substanzen. Wer daher auf Deponien arbeitet, sollte zuvor vom Deponiebetreiber eine umfassende Analyse der möglichen Gefahrenstoffe sowie einen Maßnahmenkatalog für Erste Hilfe abfordern. Zusätzlich sollten die Mitarbeiter während der Arbeiten auf folgende Unregelmäßigkeiten achten:
  • intensiver Geruch
  • austretende Gase, Dämpfe oder Stäube
  • Fässer, Eimer etc. mit unbekannten, nicht deklarierten Inhalten
  • Flüssigkeitsspiegel, die offen an die Oberfläche treten
  • Tierkadaver
Tritt einer oder mehrerer dieser Punkte auf, sollte der für die Sicherheit der Deponie zuständige Ingenieur informiert und seine Anweisungen abgewartet werden. Grundsätzlich sollte jeder Mitarbeiter mit einer umfassenden persönlichen Schutzausrüstung ausgestattet sein:
  • Fußschutz
  • Stiefel der Ausführung S 3
  • Schaftstiefel der Ausführung S 5 d
  • Schutzhelm
  • Schutzhandschuhe
  • Arbeitskleidung
  • Wetterschutzkleidung
  • Kabinenschutz
Daneben sollten Ihre Mitarbeiter im eigenen Interesse besonders auch auf die Hygiene achten. Hautpflege- und Reinigungsmittel sollten bei Arbeiten auf Deponien immer dabei sein. Ebenso selbstverständlich ist das Wechseln der Arbeitskleidung zumindest beim Verlassen der Anlage (wenn es nicht sowieso vorgeschrieben ist). Nicht vergessen: auch Fahrzeuge, Arbeitsgeräte und Stiefel sind einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Und dass die Vesperpause mit dem Butterbrot in der einen und der Tasse Kaffee in der anderen Hand nicht gerade mitten auf dem Deponiegelände in kontaminiertem Gebiet stattfinden muss, sollte einem schon der gesunde Menschenverstand sagen ...
Titel BGI 581
BGR 127-128